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Atemtraining senkt Angstwerte

vor 19 Stunden
2 Min. Lesezeit

Ein sehr interessantes und auch passendes Thema. Menschen können sich subjektiv besser fühlen, ohne dass ein einzelner Körperwert dies eindeutig abbildet. HRV sollte kein neues Leistungsziel werden.


(HRV steht für Herzratenvariabilität. Sie beschreibt, wie stark die Zeitabstände zwischen deinen einzelnen Herzschlägen variieren.)


In einer neuen Studie absolvierten 30 Erwachsene mit Angststörungen vier Wochen Achtsamkeits-, Atem- und HRV-Biofeedbacktraining. Ihre berichteten Angstwerte sanken, doch die Herzratenvariabilität verbesserte sich über die vier Termine nicht konsistent. Ohne Kontrollgruppe lässt sich nicht feststellen, welcher Bestandteil wirkte. Hier ein Einblick.



Was bedeutet das für uns?


Die Studie erinnert uns daran, dass Regulation nicht nur das ist, was eine Uhr, eine App oder ein HRV-Sensor messen kann.


Die Teilnehmenden berichteten nach vier Wochen über weniger Angst. Gleichzeitig veränderte sich ihre Herzratenvariabilität nicht über alle Termine hinweg eindeutig. Das bedeutet nicht, dass die Übungen „nicht funktioniert“ haben. Es zeigt vielmehr, dass subjektives Erleben und körperliche Messwerte nicht immer parallel verlaufen.


Ein Mensch kann sich sicherer, ruhiger oder handlungsfähiger fühlen, obwohl ein einzelner Körperwert keine klare Verbesserung anzeigt. Umgekehrt bedeutet eine vermeintlich „gute“ HRV nicht automatisch, dass sich jemand innerlich stabil oder wohlfühlt.


Genau deshalb sollte Regulation kein weiteres Leistungsprojekt werden. Es geht nicht darum, perfekte Werte zu erreichen, besonders ruhig zu atmen oder jede Übung „richtig“ zu machen. Entscheidend ist, ob eine Praxis dir dabei hilft, dich selbst besser wahrzunehmen, Belastung früher zu erkennen und bewusster auf deine Bedürfnisse zu reagieren.


Was nehmen wir für unsere Selflearning-Kurse mit?


Unsere Selflearning-Kurse geben keine Garantie dafür, Angststörungen zu behandeln oder bestimmte körperliche Werte zu verbessern. Sie ersetzen bei psychischen Erkrankungen auch keine medizinische oder psychotherapeutische Begleitung.


Sie können dir aber einen geschützten Rahmen bieten, in dem du verschiedene Möglichkeiten der Selbstregulation kennenlernst und in deinem eigenen Tempo ausprobierst. Dazu gehören beispielsweise Körperwahrnehmung, sanfte Bewegung, Atembeobachtung, Pausen, Orientierung und die bewusste Wahrnehmung eigener Grenzen.


Der Vorteil eines selbstständigen Kurses liegt dabei in der Wahlfreiheit: Du kannst eine Übung wiederholen, verkürzen, verändern oder auslassen. Du musst dich nicht an einen starren Rhythmus anpassen und kannst beobachten, was dich tatsächlich unterstützt – statt dich an einem allgemeinen Ideal von Entspannung zu messen.


Die Studie beweist nicht, dass ein Selflearning-Kurs dieselben Ergebnisse erzielt. Sie unterstützt jedoch einen wichtigen Grundgedanken unserer Arbeit:


Regulation ist keine messbare Bestleistung. Sie ist die wachsende Fähigkeit, dich selbst wahrzunehmen und angemessen auf deinen aktuellen Zustand zu reagieren.


Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen. Nicht jede Veränderung ist sofort messbar. Und nicht jede hilfreiche Erfahrung muss sich durch einen Körperwert bestätigen lassen, um bedeutsam zu sein.


Ein schönes Wochenende an alle!

Juli




 
 
 

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